stART.10 – Digitale Kommunikation im Kulturbereich
Die stART.10 versammelte am 9. und 10. September Kulturschaffende und Webspezialisten in der Mercatorhalle, von der die gefühlte Mehrheit der Duisburger Bürger annimmt, sie sei abgerissen, wie wir auf unserem Weg vom Bahnhof Duisburg zur Konferenz feststellten.
In Wahrheit handelt es sich um einen weiträumigen Konferenztrakt in einem modernen Shoppingcenter, das nicht gerade abbruchreif wirkt. An mehreren QR-Codes geht es vorbei zur Eröffnung in die große Vortragshalle mit Carsten Winter, der die Entwicklung von der „Push zur Pull Kultur“ in den Fokus nimmt. Mit der Kommerzialisierung der Kultur kommt die Frage auf, wie sich neue kulturelle Komplexität aufbauen lässt, die zum einen mehrheitsfähig ist und gleichzeitig neue Anschlüsse ermöglicht. Kultur macht also aus, was die Leute selbst daraus machen. Mit diesem Auftakt ist der Blick geschärft für die soziale Revolution neuer Dienste und Formate, die durch Unmengen globaler Lesarten mitgeprägt wird. Die Konvergenz regiert und fordert neue Strategien und Taktiken.
Verschiedenes integriert auch das anschließende Konferenzprogramm mit Vorträgen über neue Erlösmodelle, Social Media Trends, aktuelle Mobile Technik, Best Practice Beispiele und klassische Tools. Das mediale Kreativitätspotential, mit dem sich auch Institutionen kulturell differenzieren können, wird an diesen zwei Tagen umfassend mit unterschiedlichsten Vertretern von Kulturämtern, Galerien, internationalen Museen, Stadttheatern und Eventorganisationen diskutiert.
Wir nutzten unseren Workshop „Digitale Kommunikation im Kulturbereich“ gegen Ende der Konferenz zu einem ersten Konferenzfazit und der strategischen Einordnung der Erkenntnisse, die unsere Teilnehmer auf der Konferenz gewonnen hatten. Dazu bildeten wir entsprechend der Arbeitsfelder die vier Gruppen Bühne, Bildende Kunst, Öffentliche Institutionen und Weiterbildung, die nach zehn Minuten Diskussion ihre Highlights der stART und den Nutzen für ihre Institutionen präsentierten. Der gezielte Austausch untereinander fand Anklang: „Allein dafür hat sich der Besuch dieses Workshops schon gelohnt, ich hätte sonst nie erfahren, dass diese Kollegin hier ist und an ganz ähnlichen Baustellen arbeitet wie wir.“ Als einhelliges Ergebnis der Startrunde kristallisieren sich zwei Highlights heraus: Shelley Bernstein mit ihrer Präsentation der Webstrategie des Brooklyn-Museums, in dem sie mit einem überzeugenden Museumskonzept und ihrem einnehmenden Spirit beeindruckte. Auch die bayerische Staatsoper begeisterte mit der Darstellung ihrer Web 2.0 Aktivität aus erster Hand. Beide Vorträge bewiesen, dass erfolgreiches Web 2.0 Management nicht nur von technischer Kompetenz abhängig ist, sondern seine volle Wirkung erst entfalten kann, wenn es von absoluter Überzeugung getragen ist.
Die individuelle Herangehensweise an das Social Web stellen wir anschließend anhand von Fallbeispielen aus dem Kulturbereich vor. Während Big-Player wie die Berliner Philoharmoniker ihre Musik in einer technisch anspruchsvollen „Digital Concert Hall“ vertreiben und so Musikliebhaber aus der ganzen Welt begeistern, nutzt das Haus der Kulturen der Welt Web 2.0 Dienste, um die Bekanntheit zu steigern und den Dialog mit seinen Nutzern zu ermöglichen. Die Beispiele verdeutlichten, welche unterschiedlichen Businessziele auch im Kulturbereich angestrebt werden und wie diese Ziele nun auf neue Weise erreicht werden können. Dies wurde über die Vorstellung von strategischen Werkzeugen zur planvollen Umsetzung von Potentialanalysen systematisiert. Im Fokus standen die Herausforderungen im Umgang mit einem webaktiven Publikum für die unterschiedlichen Institutionen, deren Aufgabe nun darin besteht, Inhalte und Ereignisse auch im digitalen Raum zu kommunizieren und zu produzieren. Diese Inhalte werden jedoch weiter vernetzt und in neue Kontexte gesetzt. Audio, Video und Texte werden dabei integriert. Zum Abschluss wurden exemplarisch konkrete Problemlagen der Workshop-Teilnehmer diskutiert und Lösungswege aufgezeigt. Dank der Vernetzung untereinander kann die Diskussion auch nach Ende der stART.10 fortgeführt werden. Wir sind gespannt!

