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Galerienstudie 2013 - Eine Positionsbestimmung.

Zeitgenössische Kunst ist ohne Galerien kaum vorstellbar. Sie sind die Partner der Künstler und wichtige Vermittler von neuen Positionen. Sie tragen zur Urbanität und Attraktivität an ihrem Standort bei und sind in ihrer Vielfalt ein Eckpfeiler des Kunststandorts Deutschland. Aber worüber sprechen wir eigentlich genau, wenn von Galerien die Rede ist? Unter welchen wirtschaftlichen Bedingungen arbeiten Galerien? Was sind gegenwärtige Herausforderungen und Perspektiven?

 

Diese Studie versteht sich als die erste empirische Bestandsaufnahme der Galerien in Deutschland, mit der wir einen Grundstein für eine systematische und entwicklungsorientierte Auseinandersetzung mit Galerien legen möchten. Unser Ziel war es, Basisdaten zu Kunstgalerien mit einem Fokus auf Gegenwartskunst zu erheben. Wir beleuchten Galerien, die sich auf den so genannten Primärmarkt konzentrieren, also den Erstverkauf künstlerischer Arbeiten durch Galeristen. Die Grenzen zum Sekundärmarkt, also dem Handel mit künstlerischen Arbeiten, sind, wie sich herausstellt, allerdings fließend. Von Beginn an war klar, dass wir uns dem dynamischen und heterogenen Gegenstand unserer Untersuchung nur durch eine Kombination unterschiedlicher Methoden nähern können. So haben neben ausführlichen Recherchen, Einbeziehung von Sekundärliteratur und journalistischen Beiträgen sowie einer bundesweiten Umfrage unter Galerien vor allem persönliche Gespräche mit Galeristen und Experten im Kunstmarkt eine wichtige Rolle gespielt. [..]

 

Im Studienverlauf waren Definitionen und Abgrenzungen notwendig, um in unseren Recherchen, der Umfrage und den zahlreichen Interviews mit Galeristen und Experten eine aussagekräftige Übersicht zu erhalten. Dazu haben wir unter anderem eine Datenbank mit sämtlichen Galerien nach festgelegten Kriterien erstellt. Nach unserer Recherche unter Verwendung dieser Kriterien gehen wir von etwa 700 Galerien in Deutschland aus. Diese Zahl liegt weit unter der Annahme, von der Experten bisher ausgehen. Obwohl es sich bei dieser Anzahl nur um professionelle Galerien handelt, erzielt ein großer Teil keinen ausreichenden Umsatz für eine solide wirtschaftliche Basis. Vom gesamten Umsatz aller Galerien erzielen etwa 15 Prozent der umsatzstärksten Galerien einen Anteil von mehr als 80 Prozent. Die Umsatzverteilung zeigt eine deutliche Struktur: Etwa 60 Prozent der deutschen Galerien erwirtschaften einen Jahresumsatz von unter 200.000 Euro und damit gerade einmal sechs Prozent des Gesamtumsatzes. Etwa 15 Prozent der deutschen Galerien machen einen Jahresumsatz von über 500.000 Euro. Dazwischen liegt der Mittelstand der deutschen Galerien. Insgesamt erzielen alle deutschen Galerien zusammen weniger Umsatz als die umsatzstärkste amerikanische Galerie allein. Trotz dieser Umsatzstruktur bilden Galerien ein kulturelles Rückgrat für Deutschland. Die Vielfalt und Dezentralität der Galerien fördern und bereichern den Kunststandort Deutschland. Galerien tragen als kultureller Standortfaktor zur Urbanität und Attraktivität ihrer Stadt bei und befruchten Tourismus, Gastronomie und Kreativwirtschaft. [..]

 

Obwohl die Heterogenität der Galerien groß ist, eint sie das gemeinsame Interesse, politische und steuerliche Rahmenbedingungen zu schaffen und zu erhalten, die den Galerienstandort Deutschland international wettbewerbsfähig machen. Der Mehrwert, den Galerien für uns alle schaffen, geht weit über ihre wirtschaftliche Relevanz hinaus. Es ist wichtig, dass wir anfangen, genau darüber zu sprechen. [..] 

Inhaltsverzeichnis

  • Vorwort und Dank
  • Einleitung
  • Quo vadis, deutsche Galerienlandschaft
  • Ab wann ist eine Galerie eigentlich eine Galerie?
  • Deutsche Galerien im internationalen Kunstmarkt
  • "Zwischenfunk" von Auktionshäusern
  • Galeristen: Pioniere, Player, pragmatische Idealisten
  • Das No-Loser-Gesetz
  • Spannungsfeld Professionalisierung
  • Entwicklungen im Online-Markt
  • Verlauf der Untersuchung
  • Zeitgenössische Kunst im Fokus
  • Galerien - Einzelphänomene für eine Generation
  • Ausstellungsfläche in Galerien - mehr als 16 Fußballfelder
  • Über 11.000 Künstler in deutschen Galerien
  • Nur ein Viertel der Künstler sind Frauen
  • Etwa 4.000 Ausstellungen für anderthalb Millionen Besucher
  • Wirtschaftliche Eckdaten
  • Kunstmessen - exklusive Publikumsmagneten
  • Umsätze - ein verschwiegenes Feld
  • Auf der Suche nach dem "Mittelstand" der Galerien
  • Herausforderungen des Mittelstands
  • Fast 450 Mio. Euro Gesamtumsatz in deutschen Galerien
  • Die Kundenstruktur
  • Online-Verkäufe noch nicht relevant
  • Manche Galerien werden von wenigen Sammlern getragen
  • Fast die Hälfte der Galerien wäre umzugsbereit
  • Standortfaktoren - Kunst-Flair und Mietpreise
  • Malerei verkauft sich am besten
  • Ein typisches Gemälde kostet 1.000 bis 5.000 Euro.
  • Galerien sind in vielen Bereichen aktiv
  • Kooperieren Galerien (zu) wenig?
  • Ausblick - verhalten bis optimistisch